Begrifflexikon


                                



Ayin

Ayin sind grosse Musikstücke (Hymnen) bestehend aus vier teilen die Selam (Gruss) genannt werden. Mit diesen Hymnen wird beim Sema Ritual (Tanz der Derwische) ihr Şeyh (Scheich) begrüsst. Die Ayin zählen zu den wohl ausdruckstärksten Werken geistlicher türkischer Musik. Sie bekommen ihre Namen nach dem jeweiligen Makam z.B. Suzidil Ayin oder Acemaşiran Ayin.


Beste

Beste oder Bestekar bezeichnet in der türkischen Musik den Komponisten .


Fasıl


Mit Fasıl bezeichnet man eine chorische Auffhrung verschiedener Werke in einem Makam nach einer ganz bestimmten Reihenfolge. Nach einem Eingangsinstrumentalsück, Peşrev genannt, folgen meist mehrere Lieder, die unterbrochen werden können, um Taksims (Instrumentalimprovisationen) einfliessen zu lassen. Nach dem Taksim folgen einige Stücke, die dann je nach Makam entweder mit einem Tanzlied oder, nach alter Aufführungspraxis, mit einem Saz Semai, einem instrumentalen Ausklang, enden.


İlahi


ilahi bedeutet "göttlich" und ist heute in der Türkei ein Oberbegriff für religiöse Musik geworden, ähnlich der Dini (religiös) Musik, die heute ebenfalls als Oberbegriff dafür gilt.


Makam


Makam ist das komplizierte Tonsystem, das der türkischen Musik zugrunde liegt. In der westlichen Fachliteratur wird es auch oft
als "Melodietyp" bezeichnet. Anfang des 14.Jahrhunderts gab es 20 geläufige Makame. Diese benutzten hauptsächlich die "natürlichen" Intervalle gemäss den harmonischen Beziehungen, die man bei allen Saiteninstrumenten finden konnte. Diese Intervalle stellen Tonleitern dar, mit einem hohen (oberen) und einem tiefen (unteren) Teil. Das Spiel der Transpositionen und Vermischungen aus hohen und tiefen Tönen der verschiedenen Makame ermöglichte es, neue Makame zu kreieren. Ende des 17. Jahrhunderts gab es rund 900 Makame, von denen heute nur noch etwa 80 gespielt werden. Das System der Makame und ihrer Intervalle bedeutete, dass alle benutzten Formen musikalischen Ausdrucks an die Einstimmigkeit gebunden sind ohne harmonische Verbindung zwischen den verschiedenen Teilen des Orchesters und alle Musiker die gleiche Melodie spielen. Was diese Musik so unerschöpflich reich macht, ist die grosse Vielfalt von Intervallen und die grosse Breite an Rhythmen. Die Bedeutung des Makam
in der klassischen türkischen Musik geht weit über die vorgegebene Melodik hinaus.

Die Namen der einzelnen Makame bezeichnen oft verschiedene Orte, anhand derer man erfährt, aus welcher Gegend des Osmanischen Reiches z.B. Hicaz (Gegend am roten Meer), der Makam- oder zumindest sein Schöpfer stammt. Sie bekamen auch oft Namen wie Buselik "Preis eines Kusses" oder Gülistan "Rosengarten", die für den geübten Musikfreund den Melodietyp kennzeichnen in der für den Orient typischen "blumigen" Sprache (im abendländischen würde man von frisch, forsch, bedeckt ......sprechen).


Naat


Naat ist der Ausdruck für Lobgesänge in verschiedenen Makams. Oftmals sind es Werke grosser Musiker wie die von Hamamizade Ismail Dede Efendi oder Itri Efendi.


Nefes


Nefes bedeutet "wunderwirkender Atem heiliger Personen" Mit Nefes bezeichnet man die Hymnen des anderen grossen Orden, des Bektaşi Ordens. Sie werden gleich der Ayin vokal und instrumental ausgeführt.



Peşrev

as Peşrev ist ein rein Instrumentales Vorspiel, eine Art Ouvertüre, das meist am Anfang eines grossen Musikstücks vorkommt und in dem Makam gespielt wird der dann folgt. Es steht z.B. am Anfang eines Fasıl oder eines Ayin und soll die Musiker genauso wie die Zuhörer auf den Makam einstimmen.



Saz Semai 


Saz Semai ist wie das Peşrev, ein reine Instrumentalform, die meist am Ende eines Fasıl steht. Es hat abschliessenden Charakter und beendet auch oft konzertante Aufführungen. Sehr oft schliesst es auch einen Makam, um einem neuen Makam mit einem Peşrev Platz zu machen.



Sema


Sema ist der Begriff für das Tanzritual des Mevlevi Orden. Es soll aus der Seele hervorgehen und nicht allein vom Körper. Die Tanzzeremonie (Sema) beginnt mit dem Lobesspruch. Dieser Spruch ist ein Gedicht von Mevlana Celaleddin Rumi über den Propheten Mohammed. Nach der Vorlesung des Lobgedichts vertritt der Klang der Flöte Ney diesen göttlichen Atem. Die Schilfrohrflöte Ney symbolisiert den vollkommnen Menschen, sie widerspiegelt die Bedeutung des Propheten.

Nach der musikalischen Einführung wird der Tanzplatz dreimal umkreist. Das Fell wird als das Zentrum der Einheit und als den Platz von Mevlana betrachtet. Der vierte Teil ist die Periode des Sohnes (Sultan Veled). Der Şeyh (Scheich) und alle anwesenden Tänzer sagen in sich "Allah!" und schlagen mit den Händen kraeftig auf den Boden, bevor sie aufstehen. Dies bedeutet die Wahrnehmung der Frage des geistigen Führers: Reisender wo gehst du hin?" Der Reisende hört diese Ansprache, zittert und sagt dabei: "Ich habe alles aber ich bin nicht glücklich. Wo werde ich nun meine Ruhe finden?" Dieser Zustand wird die Erreichung der Reife genannt. Dann beginnt er zu fühlen, dass ein überlegenes Wesen ihn beherrscht. Das wird der Glaube genannt.
Damit nimmt er die Überlegenheit des Wesens wahr und versteht, das er eigentlich ein Nichts ist. Das wird die Reue genannt.
Dann liebt und erinnert Gott ihn daran: "Wenn ein Diener Gottes mit dem Gebet ohne Erwartung ihm näher kommt, lässt Gott bei Ihm Seine Liebe entstehen. Der Diener wird dabei mit seinen sichtbaren und unsichtbaren Seiten mit dem Licht Gottes gefärbt. Er hört, sieht, spricht, geht mit Ihm." Das ist der Augenblick, bei dem der Mensch als Mensch entsteht und sich auf dem richtigen Weg befindet. Das ist gleichzeitig auch der Moment, in dem Gott in ihm erscheint. So stellt der rituelle Tanz all diese Stufen dar. Am Ende des dritten Teils nimmt der Şeyh seinen Platz auf dem Fell ein und somit wird der Teil des Sohnes abgeschlossen.

Sie kommen jetzt von dem absoluten Wesen heraus und reisen auf drei Welten weiter: auf der Erde der leblosen, der Pflanzen
und auf der Welt der anderen Lebewesen. Diese Umdrehungen symbolisieren das Wissen über das absolute Wesen als Annäherung zu Gott durch die Wissenschaft, die Anschauung Seiner Wiederspiegelung, die Vereinigung mit Ihm als erkennbare Wahrheit. Das Oberhaupt der Trommler, gibt mit seinen Schlägen auf der Trommel den Abschluss des Teils des Sohnes bekannt. Bald danach faengt das Oberhaupt der Neyspieler mit seiner Zwischenmusik an. Daran anschliessend erfolgen die Melodien für die Zeremonie. All dies wird in einem Makam gehalten, der innerhalb einer Zeremonie nicht verlassen wird. Der Tänzer zieht sein schwarze Jacke (die Nichtigkeit) aus, geht symbolisch in der Wahrheit auf, bindet seine Arme und vertritt die Ziffer Eins. Damit deutet er auf die Einheit Gottes. Die Tänzer küssen einzeln die Hand des Scheichs und beginnen mit ihrem Tanz, nachdem sie seine Erlaubnis eingeholt haben. Der Tanz besteht aus vier Phasen, die jeweils Gruss genannt werden und wird von dem Oberhaupt der Tänzer geleitet. Er kontrolliert die Drehungen der Tänzer und sorgt für die Ordnung.
Der erste Gruss ist die Wahrnehmung des Menschen, dass er ein Diener ist. Der zweite Gruss bedeutet, das Gott bewundert wird. Der dritte Gruss ist die Wandlung der Bewunderung zur Liebe. Der vierte Gruss ist die Rückkehr des Menschen zu seiner ursprünglichen Pflicht, nämlich zur Dienerschaft. Denn die höchste Stellung im Islam ist das Dienen zu Gott. die Bedeutung Gottes zu fühlen und sein Wissen, dem Volk weiter zu vermitteln.

Mit Beginn des vierten Grusses tritt auch der Şeyh in den Tanz ein. Diese Teilname symbolisiert die Rückkehr zur Dienerschaft. Inzwischen ist der vierte Gruss beendet, und das letzte Taksim (Improvisation) wird erklingt. Wenn der Şeyh zu seinen Platz auf dem Fell zurückkehrt, wird auch die letzte Improvisation beendet und ein Text aus dem Koran, Asch-ri Şerif rezitiert. Mit den letzten Fürbitten, Begrüssungen und Gottesrufen mit einem Namen Gottes "Hu" wird die Tanzzeremonie beendet.

Der Şeyh kam mit dem rechten Fuss in das Tanzhaus und geht mit dem linken Fuss hinaus. Danach grüssen die Tänzer und Musiker das Fell des Şeyh und verlassen das Tanzhaus.




Taksim


Taksim bezeichnet im Musikalischen die Eigenimprovisation auf einem oder mehreren Instrumenten und genießt in der klassischen türkischen Musik höchste Wertschätzung. Die Taksims werden oft als Übergang zwischen einzelnen Stücken gespielt und haben dabei eine Länge von 1-3 Minuten. So kommt es während eines Konzerts manchmal zu einer Reihe von Taksims auf verschiedenen Instrumenten. Taksims gibt es auch als Hauptteile in Konzerten, die dann eine Länge von 10-30 Minuten haben können und manchmal als Solo-Taksim von einem oder, als Müşterek-Taksim, gleichberechtigt, von zwei Solisten gespielt werden.

Es kommt auch vor, dass Künstler andere in ihr Taksim mit einbeziehen und somit ein Taksim sozusagen reihum geht und von einem Instrument an das andere weitergegeben wird. Viele Musikfreunde in der Türkei besuchen Konzerte nur wegen der Taksims ihrer Lieblings-Solisten, da diese immer noch recht selten auf Tonträger aufgenommen werden und der Reiz des ewig neu Entstehenden einen unbeschreiblichen Zauber auf viele Musikliebhaber ausübt.



Usul

Usul ist der Oberbegriff für die verschiedenen rhythmischen Muster in der türkischen Kunst- wie auch Volksmusik. Die verschiedenen rhythmischen Muster mit ihren Bezeichnungen wie sofiyan 4/4, devri hindi 14/8, süreyye 5/8 oder aksak 9/8, um nur einige zu nennen, werden oft durch eine oder mehr Trommeln oder andere Schlaginstrumente hörbar gemacht. Ihre Unterscheidung in Haupt- und Nebenschläge, hell (mit "tek" bezeichnet) und dunkel (mit "düm" bezeichnet) sowie das Schlaginstrumentenspiel ist eine hohe Kunst, die jahrelanges Lernen erfordert.